Publié le 20 mai 2024

Eine grundlose Account-Sperrung ist keine unumstössliche Entscheidung, sondern ein Vertragsbruch, den Sie nicht hinnehmen müssen.

  • Höchstrichterliche Urteile (BGH) schreiben Plattformen eine Anhörungspflicht vor, die bei den meisten Sperrungen missachtet wird.
  • Das neue Digitale-Dienste-Gesetz (DSA/DDG) gibt Ihnen als Nutzer verbesserte Beschwerde- und Klagerechte an die Hand.

Recommandation : Dokumentieren Sie die Sperrung sofort und setzen Sie der Plattform eine anwaltliche Frist zur Wiederherstellung. Der Weg über eine einstweilige Verfügung ist oft schneller und effektiver als der offizielle Support-Prozess.

Der Schockmoment für jeden Influencer oder Unternehmer: Sie öffnen Instagram oder Facebook und die Nachricht « Dein Account wurde gesperrt » leuchtet Ihnen entgegen. Die Panik setzt ein. Aufträge, Kontakte, über Jahre aufgebaute Reichweite – alles ist plötzlich blockiert. Der erste Impuls, sich an den Support zu wenden, mündet meist in einer Endlosschleife aus standardisierten Antworten und Frustration. Viele geben an diesem Punkt auf und akzeptieren den Verlust als Schicksal.

Doch das ist ein fundamentaler Fehler. Die gängigen Ratschläge – Formulare ausfüllen, Geduld haben, Nutzungsbedingungen lesen – ignorieren die juristische Realität. Das Verhältnis zwischen Ihnen und der Plattform ist kein Gnadenakt, sondern ein knallharter Vertrag. Eine grundlose Sperrung ist ein Vertragsbruch. Statt zu bitten und zu betteln, müssen Sie Ihre Position als Vertragspartner verstehen und Ihre Rechte prozessorientiert durchsetzen.

Dieser Artikel bricht mit dem Mythos der Ohnmacht. Als Medienanwalt zeige ich Ihnen nicht, wie Sie bei Meta um eine Freischaltung flehen, sondern wie Sie diese mit den scharfen Waffen des deutschen Rechts erzwingen. Wir werden die prozessualen Hebel analysieren, von der Anhörungspflicht laut Bundesgerichtshof bis zu den neuen Machtinstrumenten des Digital Services Act. Sie haben einen durchsetzbaren vertraglichen Erfüllungsanspruch auf die Nutzung Ihres Accounts.

Wir werden Schritt für Schritt die rechtlichen Grundlagen beleuchten, die Ihnen die Kontrolle zurückgeben. Es geht darum, von einer passiven, hoffenden Haltung in eine aktive, fordernde Rolle zu wechseln. Denn in diesem Kampf sind Sie nicht rechtlos – Sie müssen nur wissen, wie Sie Ihre Rechte geltend machen.

Dieser Leitfaden ist Ihr juristischer Schlachtplan. Er führt Sie durch die entscheidenden Aspekte im Kampf gegen die Willkür der Plattformen, von der ersten Reaktion bis zur gerichtlichen Durchsetzung Ihrer Ansprüche.

Beleidigung im Netz: Wie Sie Plattformen zwingen, Hetzkommentare binnen 24 Stunden zu löschen (NetzDG)

Die Macht der Plattformen schien lange unantastbar, doch der Wind hat sich gedreht. Der Gesetzgeber in Deutschland und Europa hat erkannt, dass die digitale Welt kein rechtsfreier Raum sein darf. Ein zentrales Instrument war lange das Netzwerkdurchsetzungsgesetz (NetzDG), das Betreiber verpflichtete, « offensichtlich rechtswidrige Inhalte » wie Hetze oder Beleidigungen schnell zu entfernen. Dieses Gesetz wurde nun durch das umfassendere Digitale-Dienste-Gesetz (DDG) abgelöst, das den europäischen Digital Services Act (DSA) in deutsches Recht umsetzt.

Für Sie als Nutzer bedeutet das eine erhebliche Stärkung Ihrer Position. Die Pflicht zum schnellen Handeln bei rechtswidrigen Inhalten bleibt nicht nur bestehen, sie wird durch neue Transparenz- und Beschwerdemechanismen ergänzt. Die Zuständigkeit hat sich geändert: Statt des Bundesamts für Justiz ist nun die Bundesnetzagentur als zentrale Koordinierungsstelle für digitale Dienste Ihr schlagkräftiger Ansprechpartner. Deren Aufgabe ist es, die Einhaltung der neuen Regeln rigoros zu überwachen.

Diese regulatorische Verschärfung ist mehr als nur ein Papiertiger. Sie schafft ein Klima, in dem Plattformen es sich nicht mehr leisten können, Nutzerrechte systematisch zu ignorieren. Wenn ein Unternehmen bei der Inhaltsmoderation oder bei der Begründung von Sperrungen versagt, drohen empfindliche Strafen. Laut der Bundesnetzagentur wurden bereits seit Inkrafttreten der Zuständigkeit im Mai 2024 erste Verstösse gemeldet, was zeigt, dass die neue Behörde ihre Rolle ernst nimmt. Dieser Druck von aussen ist ein entscheidender Hebel, den Sie bei der Durchsetzung Ihrer eigenen Ansprüche nutzen können und sollten.

Umzug zum Konkurrenten: Wie Sie Ihre Daten und Follower zu einer anderen Plattform mitnehmen

Auf den ersten Blick erscheint die Datenportabilität nach Art. 20 DSGVO als elegante Lösung für eine Account-Sperrung: einfach die Daten herunterladen und zur Konkurrenz umziehen. In der Praxis ist dieser Weg jedoch eine juristische Sackgasse und eine unternehmerische Katastrophe. Der Anspruch auf Datenmitnahme ist weit schwächer, als es den Anschein hat. Er umfasst in der Regel nur die Daten, die Sie selbst aktiv bereitgestellt haben – also Ihre Profilinformationen und hochgeladenen Inhalte. Die wertvollsten Güter – Ihre Follower-Basis, die Interaktionen, Ihr soziales Netzwerk – sind davon explizit ausgenommen. Es sind abgeleitete Daten, die die Plattform als ihr Eigentum betrachtet.

Eine Studie der Stiftung Datenschutz zum Thema Datenportabilität zeigt die ernüchternde Realität. Sie sollte den Wechsel zwischen sozialen Netzwerken erleichtern, doch die Umsetzung ist mangelhaft. Die Erfahrung mit dem Musikdienst Deezer, wo es bei 14 Millionen Nutzern nur knapp über 500 Anfragen zum Account-Management gab, zeigt das geringe Vertrauen in und die Unzulänglichkeit dieses Instruments. Sie erhalten am Ende einen unstrukturierten Datenhaufen, aber nicht Ihr funktionierendes Geschäftsmodell.

Visualisierung der Datenübertragung zwischen Social-Media-Plattformen

Ein « Umzug » bedeutet daher den kompletten Neuaufbau Ihrer digitalen Existenz. Sie verlieren nicht nur Ihre Reichweite, sondern auch das über Jahre aufgebaute Vertrauen und die soziale Bestätigung. Aus anwaltlicher Sicht ist die Strategie daher klar: Kämpfen Sie nicht um die Mitnahme wertloser Daten, sondern um Ihren vertraglichen Erfüllungsanspruch auf Wiederherstellung des ursprünglichen Accounts. Alles andere ist eine Kapitulation vor dem Vertragsbruch der Plattform.

Reichweite gedrosselt: Haben Sie einen Rechtsanspruch auf Sichtbarkeit in den Algorithmen?

Die willkürliche Drosselung der Reichweite, das sogenannte « Shadowbanning », ist eine der frustrierendsten Erfahrungen für Content Creators. Doch rechtlich betrachtet ist sie nur eine Facette eines grösseren Problems: der einseitigen, unbegründeten Ausübung von Macht durch die Plattform. Während ein direkter Rechtsanspruch auf eine bestimmte algorithmische Sichtbarkeit schwer durchzusetzen ist, gibt es einen viel stärkeren Hebel, den der Bundesgerichtshof (BGH) geschaffen hat: die Anhörungspflicht. In einem wegweisenden Urteil (Az. III ZR 179/20) stellte der BGH klar, dass Plattformen Nutzer nicht ohne Weiteres sperren oder ihre Inhalte massiv einschränken dürfen.

Diese Pflicht zur vorherigen Anhörung ist Ihr schärfstes Schwert. Die Verbraucherzentrale fasst es in einem Musterschreiben treffend zusammen:

Ich wurde vor der Sperrung nicht angehört, obwohl eine vorherige Anhörung nach höchstrichterlicher Rechtsprechung hätte erfolgen müssen (BGH, Urteil vom 29.7.2021 – III ZR 179/20).

– Verbraucherzentrale, Musterschreiben für Widerspruch bei Accountsperrung

Diese Logik gilt nicht nur für Vollsperrungen, sondern für alle wesentlichen Eingriffe. Das neue Digitale-Dienste-Gesetz (DDG) stärkt diese Position weiter. Es zwingt Plattformen zu mehr Transparenz bei ihren Moderationsentscheidungen und gibt Ihnen ein klares Recht, diese anzufechten. Die Unterschiede zum alten NetzDG sind erheblich, wie die folgende Gegenüberstellung zeigt.

Der Wandel vom alten NetzDG zum neuen DDG/DSA markiert eine deutliche Machtverschiebung zugunsten der Nutzer. Eine Analyse von netzpolitik.org zu den neuen Beschwerdemöglichkeiten verdeutlicht die erweiterten Optionen, die Ihnen nun zur Verfügung stehen.

Transparenzpflichten nach DSA vs. alte NetzDG-Regelung
Aspekt DSA (seit Mai 2024) NetzDG (bis Mai 2024)
Beschwerdestelle Bundesnetzagentur als zentraler Koordinator für Digitale Dienste (Digital Services Coordinator) Bundesamt für Justiz
Beschwerdegründe Probleme mit rechtswidrigen Inhalten, Account-Beschränkungen, AGB, Streitbeilegung Nur rechtswidrige Inhalte
Formular Bis zu 2.500 Zeichen Sachverhalt, 5 Screenshots, nur E-Mail-Adresse erforderlich Verschiedene Formulare je nach Plattform

Zustimmen oder Fliegen: Dürfen Plattformen Sie rausschmeissen, wenn Sie neuen AGB nicht zustimmen?

Eine plötzliche Account-Sperrung kommt oft ohne Vorwarnung und ohne klare Begründung. Die Plattformen berufen sich pauschal auf einen Verstoss gegen ihre Gemeinschaftsstandards oder Nutzungsbedingungen (AGB). Doch genau hier liegt der entscheidende juristische Angriffspunkt. Der Bundesgerichtshof (BGH) hat dieser Praxis in zwei Grundsatzentscheidungen (Az. III ZR 179/20 und III ZR 192/20) einen klaren Riegel vorgeschoben. Eine Sperrung ist nur dann rechtmässig, wenn der Nutzer vorab über den konkreten Vorwurf informiert wurde und die Möglichkeit zur Stellungnahme hatte.

Diese von Juristen als « Anhörungspflicht » bezeichnete Voraussetzung wird von den automatisierten Systemen der Plattformen systematisch missachtet. Ein Algorithmus sperrt, und der Nutzer steht vor vollendeten Tatsachen. Laut den wegweisenden BGH-Urteilen ist eine sofortige Sperrung ohne Anhörung nur in absoluten Ausnahmefällen zulässig, etwa bei schweren Straftaten. Ein angeblicher Verstoss gegen vage formulierte AGB gehört definitiv nicht dazu. Ihre Ablehnung neuer AGB kann eine Kündigung rechtfertigen, aber nicht eine sofortige, unbegründete Sperre.

Die Missachtung der Anhörungspflicht macht die Sperrung rechtswidrig und begründet Ihren Anspruch auf sofortige Wiederherstellung. Ihr Vorgehen muss daher prozessorientiert und unnachgiebig sein. Hören Sie auf, Support-Formulare auszufüllen. Beginnen Sie, den juristischen Druck zu erhöhen. Dieser Prozess ist Ihr wirksamster Hebel.

Ihr Schlachtplan bei einer Account-Sperrung

  1. Beweise sichern: Dokumentieren Sie die Sperrung mit Screenshots. Notieren Sie, dass weder eine Information über die bevorstehende Sperrung noch eine Anhörung erfolgte. Halten Sie fest, dass Ihnen kein konkreter Verstoss bewusst ist.
  2. Fristsetzung per Anwalt: Lassen Sie durch einen Anwalt eine unmissverständliche Aufforderung an die Plattform senden. Fordern Sie die Mitteilung des genauen Sperrungsgrunds und die sofortige Entsperrung binnen einer kurzen Frist (z.B. eine Woche).
  3. Androhung rechtlicher Schritte: Kündigen Sie in dem Schreiben an, dass bei fruchtlosem Fristablauf ohne Zögern gerichtliche Schritte, insbesondere der Antrag auf eine einstweilige Verfügung, eingeleitet werden.
  4. Einstweilige Verfügung beantragen: Reagiert die Plattform nicht, beantragt Ihr Anwalt bei Gericht eine einstweilige Verfügung auf Wiederherstellung des Accounts. Aufgrund der Eilbedürftigkeit (Ihr Geschäftsbetrieb ist betroffen) kann dies oft innerhalb weniger Tage oder Wochen zu einer Entscheidung führen.
  5. Klage erheben: Parallel dazu kann eine Klage auf Schadensersatz für entgangene Einnahmen und zur endgültigen Klärung der Rechtswidrigkeit der Sperre sinnvoll sein.

Darf das Forum mich sperren? Grenzen des virtuellen Hausrechts für Forenbetreiber

Plattformbetreiber, von grossen sozialen Netzwerken bis hin zu kleinen Nischenforen, berufen sich bei Sperrungen gerne auf ihr « virtuelles Hausrecht ». Sie argumentieren, sie könnten wie ein Gastwirt in seinem Lokal entscheiden, wer bleiben darf und wer gehen muss. Doch diese Analogie hinkt gewaltig und ist juristisch angreifbar, insbesondere wenn es um Plattformen geht, die eine marktbeherrschende Stellung haben oder für die berufliche Existenz des Nutzers essenziell sind.

Das virtuelle Hausrecht kollidiert frontal mit den Grundrechten der Nutzer. An vorderster Front steht hier die Meinungsfreiheit (Art. 5 GG), aber auch die Berufsfreiheit (Art. 12 GG), wenn Ihr Account die Grundlage Ihres Geschäfts ist. Zwar gelten Grundrechte primär im Verhältnis zwischen Bürger und Staat, sie haben aber eine sogenannte « mittelbare Drittwirkung » in zivilrechtlichen Beziehungen. Das bedeutet, ein Forenbetreiber darf sein Hausrecht nicht willkürlich oder diskriminierend ausüben, um grundrechtlich geschützte Positionen zu untergraben.

Balance zwischen virtuellem Hausrecht und Meinungsfreiheit

Wie Rechtsanwalt Radermacher von der Kanzlei 441 in Nürnberg treffend formuliert, mündet die Berufung auf eigene, strengere Regeln bisweilen in reiner Zensur.

Die Meinungsfreiheit ist ein grundlegendes Recht, das auch in sozialen Medien geschützt sein sollte. Plattformen dürfen die Meinungsfreiheit in gewissen Fällen einschränken und einen strengeren Massstab als den des Grundgesetzes anlegen, was bisweilen allerdings in regelrechter Zensur ausartet.

– Rechtsanwalt Radermacher, KANZLEI 441, Nürnberg

Ein Gericht wird daher immer eine Abwägung vornehmen: Das unternehmerische Interesse der Plattform an einem störungsfreien Betrieb gegen die grundrechtlich geschützten Interessen des Nutzers. Bei einer unbegründeten Sperrung, die eine wirtschaftliche Existenz gefährdet, wird diese Abwägung regelmässig zugunsten des Nutzers ausfallen. Das virtuelle Hausrecht ist kein Freibrief für Willkür.

Reaction-Videos: Wann ist das Zeigen fremder Videos als Zitat erlaubt und wann ist es ein Strike?

Die Angst vor einem Copyright-Strike ist allgegenwärtig. Ein falscher Klick, ein zu langes Zitat in einem Reaction-Video, und der Account ist in Gefahr. Doch während die Urheberrechtsdebatte komplex ist, lenkt sie vom eigentlichen wirtschaftlichen Kernproblem ab: dem existenziellen Schaden, den eine ungerechtfertigte Sperrung verursacht. Ob die Sperre wegen eines angeblichen Copyright-Verstosses, eines AGB-Konflikts oder eines undurchsichtigen Algorithmus-Fehlers erfolgt, ist für den finanziellen Ruin letztlich irrelevant.

Die Kanzlei LAW. verrät aus der Praxis, wie schnell eine Sperrung existenzbedrohend wird. Für Influencer und Content Creators ist der Account das zentrale Kapital. Eine Sperrung bedeutet nicht nur den Verlust von Reichweite, sondern hat handfeste, katastrophale Folgen. Laufende Werbeverträge können nicht erfüllt werden, was zu horrenden Vertragsstrafen führen kann. Die Reputation im Werbegeschäft wird nachhaltig geschädigt, da die Zuverlässigkeit infrage gestellt wird. Der Schaden ist oft um ein Vielfaches höher als der direkte Einnahmeverlust während der Sperrzeit.

Genau diese wirtschaftliche Abhängigkeit ist ein starkes Argument vor Gericht. Es macht die Sperrung zu einem unverhältnismässigen Eingriff, der nicht ohne Weiteres hingenommen werden kann. Die Eilbedürftigkeit eines Antrags auf einstweilige Verfügung lässt sich exzellent mit dem drohenden oder bereits eingetretenen finanziellen Schaden begründen. Ein Gericht versteht die Sprache des Geldes. Wenn Sie nachweisen können, dass jeder Tag der Sperrung Sie bares Geld kostet und Ihre berufliche Zukunft gefährdet, steigt die Wahrscheinlichkeit einer schnellen, positiven Entscheidung erheblich.

Ihr Anwalt wird daher nicht nur die Rechtswidrigkeit der Sperre an sich, sondern vor allem die dramatischen wirtschaftlichen Konsequenzen in den Fokus rücken. Es geht nicht um ein Hobby, es geht um Ihr Geschäft.

Rechtsform vergessen? Welche Kleinigkeiten im Impressum sofort 500 € Abmahnkosten auslösen

Im Kampf gegen die übermächtig erscheinenden Plattformen müssen Sie Ihre eigene Weste sauber halten. Geben Sie Meta & Co. keine leichtfertigen, legitimen Gründe, gegen Sie vorzugehen. Einer der häufigsten und zugleich banalsten Fehler, der nicht nur zu Abmahnungen durch Konkurrenten, sondern auch als Vorwand für eine Accountsperre dienen kann, ist ein fehlerhaftes oder unvollständiges Impressum. Für geschäftlich genutzte Konten ist ein vollständiges Impressum eine gesetzliche Pflicht.

Vergessene Angaben wie die Rechtsform (z.B. GmbH, UG, GbR), eine fehlende Umsatzsteuer-ID oder ein nicht funktionierender Link zur OS-Streitschlichtungsplattform sind formale Verstösse. Auch wenn dies selten der alleinige Grund für eine Sperre ist, kann es in der Argumentation der Plattform als zusätzlicher Beleg für Ihre angebliche « Unzuverlässigkeit » herangezogen werden. Es schwächt Ihre Position im Streitfall, weil Sie sich selbst nicht an die Regeln gehalten haben.

Die zunehmende Regulierung, sichtbar durch das DDG und die P2B-Verordnung, führt zu einer strengeren Überwachung durch Behörden wie die Bundesnetzagentur. Diese kann bei Verstössen gegen die Verordnung, die das Verhältnis zwischen gewerblichen Nutzern und Plattformen regelt, empfindliche Strafen verhängen. Die Bundesnetzagentur kann bei Verstössen Bussgelder von bis zu 300.000 Euro verhängen. Dies zeigt den Ernst der Lage. Sorgen Sie also dafür, dass Ihre formalen Pflichten tadellos erfüllt sind. Es ist eine einfache, aber essenzielle Verteidigungslinie.

Checkliste zur Vermeidung von Impressums-Fehlern

  1. Rechtsform prüfen: Stellen Sie sicher, dass die vollständige und korrekte Rechtsform Ihres Unternehmens angegeben ist (z.B. « Max Mustermann GbR », nicht nur « Max Mustermann »).
  2. IDs kontrollieren: Ist Ihre Umsatzsteuer-Identifikationsnummer (USt-IdNr.) vorhanden und korrekt, falls Sie geschäftlich tätig sind?
  3. Aufsichtsbehörde nennen: Falls Ihr Beruf einer behördlichen Zulassung bedarf (z.B. Makler, Anwälte), muss die zuständige Aufsichtsbehörde genannt werden.
  4. Streitschlichtung verlinken: Der Link zur Online-Streitbeilegungs-Plattform der EU (OS-Plattform) ist für Online-Händler und Dienstleister Pflicht.
  5. Vertretungsberechtigte angeben: Bei juristischen Personen (z.B. GmbH) müssen die vertretungsberechtigten Geschäftsführer namentlich genannt werden.

Das Wichtigste in Kürze

  • Eine grundlose Sperrung ist ein Vertragsbruch. Sie haben einen einklagbaren Anspruch auf Wiederherstellung.
  • Die vom BGH festgestellte Anhörungspflicht wird von Plattformen systematisch missachtet und ist Ihr stärkster juristischer Hebel.
  • Der effektivste Weg ist nicht der Support, sondern das anwaltliche Vorgehen mittels Fristsetzung und einstweiliger Verfügung.

KI-Kunst und Copyright: Wem gehört das Bild, das Midjourney für Sie generiert hat?

Die Debatte um das Urheberrecht an KI-generierten Inhalten ist komplex und juristisch noch nicht abschliessend geklärt. Doch für Nutzer von Social-Media-Plattformen offenbart sie ein viel grundlegenderes Problem: die totale Intransparenz und Willkür der algorithmischen Moderation. Es ist oft völlig unklar, warum ein Account gesperrt wird. Wie eine Analyse auf anwalt.de hervorhebt, erscheinen die Sperren häufig grundlos und hängen mutmasslich mit fehlerhaften Algorithmen zusammen.

Vielleicht hat eine KI ein von Ihnen generiertes Bild fälschlicherweise als Urheberrechtsverletzung markiert. Vielleicht wurde Ihr Posting von einer automatisierten Texterkennung falsch interpretiert. Das Ergebnis ist dasselbe: Sie werden aus Ihrem eigenen digitalen Zuhause ausgesperrt, ohne zu wissen, warum. Die Plattformen verstecken sich hinter dem Verweis auf ihre « Systeme », die angeblich Verstösse erkennen, und verweigern eine substanzielle Auseinandersetzung mit dem Einzelfall.

Diese algorithmische Willkür ist der Kern des Problems und der Grund, warum eine prozessorientierte Strategie so essenziell ist. Sie können nicht mit einem Algorithmus diskutieren. Sie können keine Empathie oder Einzelfallprüfung von einer Maschine erwarten. Sie können jedoch das Unternehmen hinter dem Algorithmus juristisch zur Verantwortung ziehen. Ein Gericht verlangt Fakten, Beweise und eine nachvollziehbare Begründung – Dinge, die eine black-box-KI nicht liefern kann. Indem Sie den Rechtsweg beschreiten, zwingen Sie die Plattform, Farbe zu bekennen und einen menschlichen, juristisch geschulten Mitarbeiter den Fall prüfen zu lassen. Meist stellt sich dann heraus, dass die Sperre haltlos war.

Verlassen Sie sich niemals auf die Fairness des Systems. Das System ist darauf ausgelegt, massenhaft und kosteneffizient zu operieren, nicht gerecht zu sein. Ihre einzige verlässliche Option ist die Durchsetzung Ihrer vertraglichen und grundrechtlich geschützten Ansprüche vor einem unabhängigen Gericht.

Lassen Sie sich nicht von der Macht der Konzerne einschüchtern. Der Rechtsstaat steht auf Ihrer Seite, wenn Sie bereit sind, für Ihr Recht zu kämpfen. Dokumentieren Sie Ihren Fall, holen Sie sich anwaltliche Unterstützung und gehen Sie vom Bittsteller in die Offensive über. Für eine erste Einschätzung Ihrer rechtlichen Möglichkeiten und zur Einleitung der notwendigen Schritte ist eine anwaltliche Beratung der erste und wichtigste Zug.

Fragen fréquentes sur Account gesperrt: Wie Sie Ihre Wiederherstellung bei Instagram oder Facebook rechtlich erzwingen?

Wie lange dauert eine temporäre Sperrung normalerweise?

Die Plattformen geben sich oft viel Zeit. Das blosse Entfernen eines Profils kann bis zu 90 Tage in Anspruch nehmen. Selbst danach kann es weitere 90 Tage dauern, bis auch alle im Hintergrund gespeicherten Sicherheitskopien Ihres Accounts endgültig gelöscht sind. Deshalb ist schnelles Handeln per Anwalt so wichtig.

Kann eine Instagram-Sperrung auch Facebook betreffen?

Ja, absolut. Da Instagram, WhatsApp und Facebook alle zum Meta-Konzern gehören, behält sich das Unternehmen vertraglich das Recht vor, einen auf einer Plattform gesperrten Nutzer auch auf den anderen Diensten des Konzerns zu sperren. Man spricht hier von einer plattformübergreifenden Sperre.

Was ist der erste Schritt bei einer Account-Sperrung?

Während der Weg über einen Anwalt der effektivste ist, sollten Sie parallel den offiziellen Weg beschreiten, um guten Willen zu zeigen. Nutzen Sie die von der Plattform bereitgestellten Formulare zur Überprüfung der Sperre. Füllen Sie alle geforderten Informationen wahrheitsgemäss aus. Rechnen Sie jedoch damit, dass eine Antwort Tage dauern kann oder nur eine Standard-E-Mail zurückkommt. Bleiben Sie geduldig, aber verlassen Sie sich nicht darauf.

Rédigé par Kevin Schneider, Fachanwalt für IT-Recht und zertifizierter Datenschutzbeauftragter (TÜV). Er ist spezialisiert auf E-Commerce, Urheberrecht im Internet und die Umsetzung der DSGVO für Unternehmen und Online-Shops.